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Blog zur Insel im Mittelmeer

Work anywhere – seit 1997

2 Kommentare

Remote arbeiten, ein Trend, der schon seit einiger Zeit real ist. Zumindest für einige. In den 1990er Jahren entdeckte ich das Arbeiten von unterwegs – und mag es heute nicht mehr missen.

Einer der „Nachteile“ als Informatiker zu arbeiten ist, dass man seine Arbeit immer mit dabei hat. Über Probleme nachdenken, Lösungen skizzieren und unbedingt ausprobieren müssen, das macht die Arbeit spannend und eine gewisse Ortsungebundenheit ist da förderlich. Zum Glück bietet die IT-Branche genau die richtigen Technologien dafür. Und das schon sehr lange, auch wenn es erst in den letzten Jahren im Mainstream angekommen ist.

Schon an der Uni ging es los

Wenn ich so drüber nachdenke, hatte ich mein erstes Remote Arbeitserlebnis Anfang der 90er Jahre an der TU München. Ich bekam einen Uni-Rechner mit Akustik-Koppler zur Verfügung gestellt. So ausgestattet konnte ich mich über die Telefonleitung mit dem Uni-Netz verbinden.

hawaii

Statt Stau in Wien: remote working cool auf Hawaii

Das war zwar mäßig spannend, aber sehr hilfreich, wenn man nicht direkt an die Rechner im Leibnitz Rechenzentrum musste. Laut oder auch leise unterhalten oder gar Husten war tabu, sobald die Verbindung stand: Der Koppler war geräuschempfindlicher als ein Bewohner im Münchner Glockenbachviertel.

Mobile Working für die Firma

So richtig von Ferne gearbeitet im Sinne von bezahlter Arbeit habe ich dann erstmals 1997:

Zeit: Sommer 1997, Freitagabend, unterwegs nach Wien zu Freunden.

Ort: Wien, 2-spurige Einfallstraße, Stauverkehr Höhe Schloss Schönbrunn, roter Golf 3, Rücksitz.

Job: 24×7 onCall-Bereitschaft für einen weltweiten Onlineservice zur Sicherstellung der Serviceverfügbarkeit.

Ausstattung: Auf meinem Schoß ein Compaq-Laptop mit Nokia PCMCIA Data Card verbunden mit einem Nokia 2110.

Anlass: Ein Kunde rief über die Servicenummer an, sein Online-Forum sei nicht erreichbar und das koste ihn, zur besten Onlinezeit am Freitagabend, richtig Geld.

Ergebnis: Der erste Versuch aus einem fahrenden Auto in Österreich über Mobiltelefon (ja, recht viel mehr als Telefonieren konnten die damals nicht) und Laptop online zu gehen. Und es funktionierte einwandfrei. Die PCMCIA-Karte im Laptop wurde erkannt, der Treiber geladen (Windows NT !!), das Handy hat auch die Karte erkannt, wir hatten ein Netz, und – das Wichtigste – die Client-Software für den Onlinedienst hat die Karte als Modem erkannt, so dass ich mich einwählen konnte.

Mit quälend langsamen 16 kbit / sec ging es dann ab in die Server. Zuerst überprüfen, ob das Online-Forum erreichbar ist. Und siehe da, es war erreichbar. Also kein Problemfall.

Flugs den Kunden zurückgerufen und mitgeteilt, dass es zumindest von hier aus erreichbar ist. Der Kunde konnte das auch bestätigen und war wieder glücklich.

Fazit: An diesem Abend habe ich zum ersten Mal wirklich gemerkt, dass es egal ist, wo ich mich aufhalte, um zu arbeiten. Natürlich hatten wir die Hard- und Software vorher schon mal trocken getestet, man will ja nicht im Ernstfall dem Kunden sagen: „Bin grad im Wochenende, ich kümmere mich Montag drum“. Auch habe ich nur auf einer Terminaloberfläche gearbeitet, also ohne grafische Oberfläche, sonst wäre ich wahrscheinlich heute noch dort und würde warten, bis die Seite vollständig geladen ist.

Digital no mad :)

Was mir gefallen hat: Statt bei onCall-Bereitschaft nahe dem Schreibtisch zu verharren, kann ich meinen privaten Aktivitäten nachgehen. Ich muss mich nicht verrückt machen und die Freizeit auf die Arbeit hin trimmen. Ich kann ich eine 24/7-Erreichbarkeit im Ernstfall abbilden, und gleich wieder in den Freizeitmodus übergehen, sobald das Problem gelöst ist.

Das andere, was ich gemerkt habe ist, dass es mir Spass macht. Ich empfinde das nicht als Arbeit. Meine natürliche Neugierde technischer Natur wurde befriedigt, ich konnte dem Kunden helfen und eine gute Geschichte für die Kollegen und Freunde war auch noch drin. Dieses Gefühl versuche ich seither aufrecht zu erhalten, dann ist die Work-Life-Balance nicht gefährdet, bzw. die Frage danach stellt sich gar nicht erst.

Was damals galt, gilt heute auch noch: Wichtig ist es online gehen zu können. Wenn ich vernetzt bin, kann ich auch arbeiten oder Spass haben und manches Mal auch anderen dabei helfen.

Foto: DoSchu (alle Rechte vorbehalten)

Autor: rschuppe

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2 Kommentare zu “Work anywhere – seit 1997

  1. Pingback: Elektrischer Reporter zu Digitalen Nomaden | auf dem Weg zur neuen Arbeit

  2. Das ist in der Tat eine der ganz großen Errungenschaften der IT, und wer wie wir seit knapp 20 Jahren – ja brauchst nicht nachrechnen ist wirklich über 20Jahre her- online ist, der genießt die Freiheit und hat sich mittlerweile auch an dem Begriff Work-Life-Balance abgerieben und einen Modus gefunden der Spaß und Arbeit verbindet.
    Würde es nicht mehr missen wollen… Dieses Gefühl von Freiheit und Spannung..

    Gefällt mir

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