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Blog zur Insel im Mittelmeer

Kunst interaktiv: Beate Mack in Santanyí

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Historie trifft Moderne: Im Mai drehte sich eine Ausstellung im Rathaus von Santanyí um einen Mallorquiner aus dem 13. Jahrhundert. Und gleichzeitig um moderne Formen der Kommunikation – sei es als Thema im Kunstwerk von Beate Mack oder raffiniertem ‚Add-On’…

La Pau és Possible - Santanyi
La Pau és Possible – Sala Bússer

Durch die Pandemie kamen die geplanten Ausstellungen in unserem Ort ins Stocken. Dieses Jahr werden endlich wieder Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region präsentiert. Im Mai stellte die mit unserer Coworking Community gut vernetzte Künstlerin Beate Mack aus. Ihre gezeigten Werke standen unter dem Titel „La Pau es Possible – Respecte, Compassió & Dialeg“ (Frieden ist möglich – Respekt, Mitgefühl & Dialog), der Fokus darin lag auf Ramon Llull.

Wer ist Ramon Llull?

In Palma steht unweit der Kathedrale eine große Statue von Ramon Llull (Raimundus Lullus) mit Blick aufs Meer. Der Mallorquiner lebte 1232-1316 und war ein Universalgelehrter, Theologe, Logiker, Mystiker und Philosoph. In seinem Leben strebte Ramon Llull danach, der Welt Versöhnung und Frieden zu bringen. Dazu verschrieb er sich der Entwicklung einer Art Universalreligion, damit die kriegerischen Auseinandersetzungen aufgrund unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein Ende nehmen könnten.

Statue Ramon Llull in Palma
Ramon Llull Statue in Palma

Wie traurig-passend sind der Titel und die historische Person der Ausstellung in dieser Zeit!

Viele Jahre seines Lebens verbrachte der vielgereiste Llull im mallorquinischen Kloster Santuari de Cura, das vom Berg Randa auf Palma blickt. Heute ein beliebtes Ausflugsziel – nicht nur für Radl-Gruppen. Ungefähr 240 seiner auf 280 geschätzten Bücher sind erhalten, die er in katalanischer, lateinischer und arabischer Sprache verfasste. Lange Zeit waren seine Schriften verboten, und erst in der Renaissance und im Barock wurde wieder öffentlich über seine Werke gearbeitet.

Computer 0.0

Ramon Llull machte sich daran, „das Denken zu mathematisieren und zu mechanisieren“, schreibt Peter Weibel in einer ZKM-Ausstellungs-Seite*. Dazu entwickelte Llull eine Argumentations-Maschine, die er mit einer Kombination mehrer drehbarer Kreisscheiben umsetzte. Diese Konstruktion bezeichnet die Wissenschaft heute als „Papiercomputer“. Gedanken und Überlegungen aus seiner Zeit prägten viele Jahrhunderte später die ersten Schritte in Richtung unserer heutigen Informatik und Computer.

Wer ist Beate Mack?

Die Künstlerin Beate Mack lebt und arbeitet in der Eifel zwischen Köln und Aachen sowie auf Mallorca. Ihre Bilder strahlen, denn wie sie selber sagt: „Ich male Gefühle“.

Wir lernten sie über (Horst (intuitives Malen) kennen und besuchten ihre Werkschau auf der Kunstnacht Nitx de l’Art in Felanitx. Dort stellte sie gemeinsam mit der österreichischen Künstlerin Sylvia Galos aus – unter anderem das farbenfreudige Selfie-Hotspot-Werk „Wings“, das dann später unseren Coworking Space zierte (s.u.).

"Hipster Llull" by Beate Mack
„Hipster Llull“ von Beate Mack (Blaue Stunde XL 2018)

Damals lud ich Beate Mack ein, in unserem Coworking Space eine interaktive Session über ihr Leben als Künstlerin, über Mallorca und über ihre Kunst mitzumachen. Im Format Blaue Stunde XL lernten wir sie dann im Oktober 2018 richtig kennen und erfuhren, dass Beate Mack schon vor vielen Jahren begann sich mit dem Werk des Mallorquiners Ramon Llull zu beschäftigen. Sie war fasziniert von dieser für damalige Verhältnisse schillernden Persönlichkeit, er krempelte sein Leben um, um sich seiner Passion zu verschreiben.

Zur Blauen Stunde XL brachte sie neben einem wunderschönen Blumen-Gemälde auch ihr Bild „Hipster Llull“ mit (dass ich nicht nur wegen der hellblauen Farben gleich liebte). Das Bild ist das Ergebnis ihrer Frage: Wie sähe Ramon Llull heutzutage aus, wenn er mit seinen Ideen unter uns lebte?

Darauf hat die Künstlerin eine klare Antwort, die sie mit ihren Werken dieser Serie in Szene setzt:

Wenn Ramon Llull heute leben würde, wäre er der einflussreichste Mann der Welt. Der unermüdliche Weltverbesserer, der für Frieden, Völkerverständigung und Kulturaustausch einstand, der von seinen Visionen nicht nur redete, sondern sie auch in die Tat umsetze, wäre heute genauso ein Idol wie Steve Jobs. Er würde im Dialog vor Putins Türe verharren und so lange mit ihm diskutieren bis Frieden ist.

Beate Mack / https://www.beatemack.de/art/ramon-lull

Bilder der Ausstellung in Santanyi

Erweiterte Kunst

Mit den heutigen Handys und der nahezu permanenten Online-Verbindung sind um digitale Elemente erweiterte (‚augmented‘) Kunstwerke möglich: So kann zu einem Bild via Internet zusätzlicher Inhalt im Bildschirm des Smartphones angezeigt werden. Bei einigen ihrer Exponate der Ausstellung in Santanyí experimentierte Beate Mack damit:

  • Um den fiktiven WhatsApp-Dialog von Llull mit GOD abzurufen, konnte ein QR Code unter dem Bild gescannt werden. Das kannst du auch mit dem Foto des QR Codes oben selber ausprobieren!
  • Bei anderen Bildern brauchte es die Smartphone-App Artivive, die dem Gemälde einen bewegten (animierten) Inhalt hinzufügt: Einen Dialogtext oder flatternde Schmetterlinge, die das Kunstwerk lebendig werden lassen. Das kannst du hier in diesem Video sehen:
Ramon Llull Interaktiv • Beate Mack, Santanyí 2022

Bilder einer Nitx de l’Art

Wie eingangs beschrieben, trafen wir die Künstlerin erstmals auf der Kunstnacht Nitx de l’Art in Felanitx (2018). Aus Beate Macks dortiger Ausstellung TRAMPÓ gemeinsam mit Sylvia Galos sowie vom Event Blaue Stunde XL später im Rayaworx hier ein paar Impressionen:

Zur Vertiefung:


Fotos: Doris Schuppe / Rayaworx

Autor: DoSchu

new work catalyst • online event facilitator • online collaboration pro • Moderatorin • Trainerin • Netzwerkerin • Gründerin & Coworking Host Rayaworx (Mallorca) & cowirkspace (Digitalien) • running on good coffee ☕️ https://doschu.bio.link

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